Eskalation in Indien und Hilfe aus Deutschland: Das Corona Update vom 27. April 2021

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft sich mit Kunst- und Kulturschaffenden, um über deren Situation in der Corona-Pandemie zu sprechen. Währenddessen ist die Lage in Indien katastrophal.

In Indien eskaliert die Lage

Den sechsten Tag in Folge hat Indien die weltweit höchste Anzahl an Corona-Neuinfektionen zu verzeichnen. Mehr als 323.000 neue Fälle und 2771 Corona-Tote. Und das sind nur die offiziellen Zahlen. Indien ist gegen die verheerende zweite Corona-Welle nicht gewappnet. Krankenhäuser und Krematorien sind überfordert, es gibt zu wenig von allem – Sauerstoff, Medikamente, Krankenhausbetten alles fehlt. In einem Video der BBC schildert ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation die Situation: „So etwas Schreckliches habe ich noch nie gesehen, ich kann nicht glauben, dass wir in Indiens Hauptstadt Neu Dehli sind. Die Menschen bekommen keinen Sauerstoff, sie sterben wie die Tiere. Und uns fehlt es an Holz um sie zu verbrennen.“ Im Hinduismus werden die Toten traditionell auf einem Platz im Freien verbrannt. Ärzte in der Hauptstadt Neu-Delhi berichten von abgewiesenen Patienten, die auf der Straße sterben. Der Arzt Tarqeem Haider vom Pentamed Krankenhaus im BBC-Interview: „Wir verbringen seit einer Woche schlaflose Nächte, manchmal wollen wir nur noch weinen, weil wir den Patienten nicht richtig helfen können.“ Die Familien der Covid-Kranken werden aufgefordert selbst Sauerstoff zu besorgen.

Hilfe für Indien auch aus Deutschland

Mehrere Länder einschließlich Deutschland haben Indien ihre Unterstützung zugesichert. Regierungssprecher Steffen Seibert: „In der Tat prüft die Bundesregierung jetzt genau mit dieser Dringlichkeit, welche Unterstützung gegeben werden kann. Da kommen in Frage Sauerstoffanlagen, Beatmungsgeräte, Medikamente.“

Eine Reihe von Ländern wie Australien haben Flüge aus Indien wegen der dortigen Coronavirus-Variante B.1.617 ausgesetzt. Auch Deutschland hat die Einreise aus Indien stark eingeschränkt. Die Lufthansa hält ihre Flugverbindungen nach Indien aber vorerst weiter aufrecht.

Impfgipfel und #allesdichtmachen: Das Corona Update vom 26. April 2021

Die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel treffen sich zum Impfgipfel. Zum ersten Mal seit der vermurksten Osterruhe vor einem Monat. Thema sollen mehr Freiheiten für Geimpfte und die Freigabe der Impfpriorisierung sein.

Mehr Freiheiten für Geimpfte?

In Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut inzwischen mehr als 25 Millionen Impfungen verabreicht, das heißt mehr als 23 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Ob nun Doppelt-Geimpfte früher ihre Grundrechte zurückerhalten sollten als Ungeimpfte, das ist eine Frage mit der sich die Ministerpräsidenten-Konferenz befassen wird. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel sind laut Bild-Zeitung vollständig Geimpfte nicht mit Getesteten gleichzusetzen, weil die Sicherheit der Impfung viel robuster sei als die Sicherheit von Tests.

In Sachen Impfpriorisierung ist der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, dafür jetzt jüngere Menschen vielleicht vorzuziehen. Im Fernsehsender Phoenix erklärte Reinhardt, das könnte eine vernünftige Strategie sein, weil die Jungen in der Regel zwar nicht so schwer erkranken, sie aber natürlich viel unterwegs sind. Unter anderem wird von ihnen erwartet, dass sie in die Schulen und in die Kitas gehen.

Wäre schön, wenn dieser Impfgipfel mal etwas zügig entscheiden und eindeutig regeln würde.

#allesdichtmachen ging völlig daneben

Kommen wir nochmal auf die völlig vergeigte Satire-Aktion #allesdichtmachen der deutschen Schauspielelite zu sprechen. Die hat schmerzlich erfahren müssen, dass bei unsachgemäßer Handhabung, mit Ironie nicht zu spaßen ist. Die Notärztin Carola Holzner von der Uni-Klinik Essen, im Internet als Doc Caro bekannt, hat auf Instagram mit einem Video reagiert. An die Schauspieler gerichtet sagt sie: „Sie haben eine Grenze überschritten, und zwar eine Schmerzgrenze. Das sage ich jetzt für alle, die tagtäglich seit über einem Jahr in diesem Gesundheitssystem stehen, handeln, helfen, immer wieder aufstehen und immer noch da sind.“ Holzner hat ihrerseits den Hashtag #allemalneschichtmachen ins Leben gerufen.

Holzner dazu: „Ich lade sie herzlich ein unter dem #allemalneschichtmachen sowohl im Rettungsdienst 24 Stunden, als auch im Wechseldienst, in Notaufnahmen, Intensivstationen, Krankenhäusern, Impfzentren, Arztpraxen, was auch immer, mitzuarbeiten und sich danach noch mal für eine Kampagne zusammenzutun, ohne Sarkasmus und ohne Ironie.“ Wir glauben, dass das ihr voller Ernst ist, ganz ohne Ironie.