Spahn für einheitlichen Lockdown, vorerst keine MPK – Das Corona Update vom 08. April 2021

Mehr als 25 000 Neuinfektionen, Bundesgesundheitsminister wirkt Jens Spahn besorgt. “Das sind, um es ganz deutlich zu sagen, zu viele.” So könne es nicht weitergehen. “Es braucht einen Lockdown um die aktuelle Welle zu brechen, und dauerhaft und stabil unter 100, deutlich unter 100 idealerweise bei der Inzidenz zu kommen.” Es bräuchte also Maßnahmen und eigentlich sei die Bund-Länder-Runde hierfür das richtige Format. “Aber wenn manche schon die Einschätzung der Lage nicht teilen, dann wird es natürlich schwierig”, zeigte sich Spahn enttäuscht.

Spahn fordert: “Parteienstreit herunterfahren”

Und weil es eben so aussieht, als kämpfe der eine oder andere Politiker eher gegen den Lockdown als gegen das Coronavirus mahnt der Gesundheitsminister: “Ich empfehle uns allen, den Parteienstreit – Wahljahr hin oder her – herunterzufahren und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Bekämpfung der Pandemie.” Ein bundesweiter, einheitlicher Lockdown wird erst mal nicht beschlossen werden. Da hilft nur an die Vernunft und die Geduld der Bevölkerung zu appellieren, weiter eigenverantwortlich Kontakte zu vermeiden wo es geht, ob im privaten, schulischen oder beruflichen Alltag.

Überhaupt keine Ministerpräsidentenkonferenz nächste Woche

Nicht nur die für Montag geplante Bund-Länder-Runde ist abgesagt worden, es wird in der kommenden Woche überhaupt keine Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin geben. Stattdessen will die Bundesregierung im Eilverfahren das Infektionsschutzgesetz verschärfen. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer versicherte aber, das bedeute nicht, dass es überhaupt keine Bund-Länder-Runden mehr gebe. “Diese Einigung auf eine Änderung im Infektionsschutzgesetz ist in gutem Einvernehmen zwischen Bunde und Ländern gelaufen, sonst wäre eine solcher Änderung ja gar nicht möglich”, so Demmer. Ziel sei es, eine bundesweit einheitliche Notbremsen-Regelung zu schaffen – für Kreise ab einer Inzidenz von 100.

Gibt es bald Sputnik V für Deutschland? – Das Corona Update vom 08. April 2021

Der russische Impfstoff Sputnik V ist mittlerweile in 56 Ländern zugelassen, in der EU aber noch nicht. Die Bayern haben trotzdem schon mal eine Bestellung aufgegeben. Ministerpräsident Markus Söder hat angekündigt, wenn alles passt werde eine Firma in Bayern den russischen Impfstoff produzieren. “Sollte Sputnik zugelassen werden in Europa, dann wird der Freistaat Bayern mit dieser Firma und über diese Firma, die in Bayern Illertissen tätig ist, zusätzliche Impfdosen, ich glaube es sind 2,5 Millionen Impfdosen, wohl im Juni dann erhalten”, erklärt Söder.

Auch Bundesgesundheitsminister Spahn für Einführung von Sputnik V

Auch Mecklenburg-Vorpommern hat sich noch vor der möglichen EU-Zulassung eine Option auf eine Million Dosen gesichert. Und auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat angebissen. Es würden Gespräche mit Russland über eventuelle Sputnik-Lieferungen geführt. Spahn fordert aber von Russland weitere Daten für eine EU-weite Zulassung. Ohne die könne der Impfstoff in Deutschland nicht verwendet werden. Außerdem pocht Spahn auf verbindliche Aussagen über Liefermengen und -zeiten. Nach einer Anfang Februar in der britischen Fachzeitschrift “The Lancet” veröffentlichten Studie hat Sputnik V eine Wirksamkeit von 90 Prozent, ähnlich wie die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Stiko-Vorsitzender optimistisch

Der Vorsitzende der Stiko, der Ständigen Impfkommission Thomas Mertens, sagte im ZDF das was er an Daten bezüglich Sputnik kenne, sehe sehr gut aus, denn, “wenn der Impfstoff geprüft und zugelassen wird, hätte ich persönlich auch nichts gegen den Einsatz des Impfstoffes einzuwenden.” Dem russischen Impfstoff hat bislang keiner so recht über den Weg getraut. Das liegt auch daran, dass er so verdammt schnell fertig war – schon im August des vergangenen Jahres.

Kommt ein “Brücken-Lockdown” oder nicht? – Das Corona Update vom 07. April 2021

CDU-Chef Armin Laschet hatte ja versucht Druck zu machen, damit die Bund-Länder-Gespräche über die Corona-Krise noch diese Woche stattfinden. Das wird wohl nicht passieren. Am Mittwoch hat Laschet in seiner Funktion als Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident eine Drive-In-Impfstation in Schwelm besucht. Anschließend hat er sich noch mal über seine Idee des Brücken-Lockdowns geäußert. Mehr dazu erfahrt ihr im neuen Corona-Update mit Timo Schnitzer .

Ein bisschen verzweifelt wirkt er schon, Armin Laschet, wie er da im Schneeregen vor dem Impfzelt für seinen Vorschlag wirbt. “Der Brückenlockdown ist ja bisher eine Anregung von mir, dass wir da zu einem Ergebnis kommen. Auch da geht’s nur bundesweit, wir können es nur zusammen machen”, erklärt der CDU-Parteichef. Nur so recht will keiner mitmachen. Wenigstens aus dem Lager der Bundeskanzlerin erhielt Laschet indirekt Rückendeckung. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte, angesichts der Lage sei “jede Forderung nach einem kurzen einheitlichen Lockdown richtig.”

Laschet fragt nach Gegenvorschlägen

Doch was sagt man eigentlich denen, die vom Brücken-Lockdown gar nichts halten? “jetzt ein Vorschlag auf dem Tisch und ich bitte einfach die anderen…Was sind denn eure Ideen?”, fragt Laschet. Noch ist der Brückenlockdown nicht ganz vom Tisch, aber der Papierkorb rückt näher. Wie es mit den Schulen in Nordrhein-Westfalen weitergeht, wäre auch interessant zu wissen. Immerhin sind am Montag die Ferien zu Ende. Da verweist Laschet auf die Kultusministerkonferenz, sagt allerdings: “„Eines ist für mich klar: Schule kann nur öffnen, wenn überall das Testen funktioniert.”

NRW zu inkonsequent bei der Notbremse? Laschet widerspricht

Dem Eindruck, in NRW werde nicht konsequent genug von der Notbremse Gebrauch gemacht, widerspricht der Ministerpräsident. “Die Notbremse wird in Nordrhein-Westfalen komplett umgesetzt, so wie beschlossen.” Allerdings setze man darauf, dass in Verbindung mit Corona-Tests zum Beispiel das Einkaufen möglich ist.

Sein Kollege aus München, Markus Söder, könnte sich übrigens vorstellen, wenn schon nicht die Lockdownregelung so wenigstens das mit der Notbremse dem Bund zu überlassen. Damit es kein Gemauschel gibt. “Eine Notbremse bundesgesetzlich zu verankern, so dass sie für alle in gleicher Weise, gleich konsequent greift.”

Wichtig wäre wohl aber, dass sich alle Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten wirklich Gedanken darüber machen, worüber sie denn bei der nächsten Konferenz am Montag reden wollen, wenn sie denn am Montag stattfindet. Weil – um es vorsichtig zu formulieren – noch so “ein Quark” wie die “Osterruhe” brauchen sie niemandem aufzutischen.

Der Brücken-Lockdown, Johnson will Bier trinken – Das Corona Update vom 06. April 2021

Er hat versprochen nachzudenken und er hat geliefert – Armin Laschet ist über Ostern was eingefallen, was andere schon seit geraumer Zeit fordern. Damit seine Idee aber trotzdem irgendwie neu wirkt hat Laschet dafür einen frischen Begriff verwendet: “Brücken-Lockdown”. Mit diesem Brücken-Lockdown solle die Zeit überbrückt werden, bis so viele Menschen geimpft sind, dass wieder gelockert werden kann. Weil das Wort allein noch keine Strategie ist, wurde Laschets Idee nicht gerade kritiklos bejubelt, um es mal so zu formulieren. Im ZDF-Morgmenmagazin hat der CDU-Chef den Plan nochmal erläutert: “Wir haben so etwas ähnliches ja einmal erdacht, mit der Osterruhe.” Nicht ausgeschlossen, dass den Brückenlockdown sogar das gleiche Schicksal ereilt wie die Osterruhe und Laschet die Kanzlerin zitieren muss.

Bei den Briten läufts einfach besser

Irgendwie besser als bei uns läuft es in Großbritannien. Im Kalender des britischen Premiers, Boris Johnson, steht für kommenden Montag 12. April der Termin: ein Bier trinken. An dem Tag werde er vorsichtig aber doch unverhinderbar ein Bierglas an seine Lippen heben. “Im Gegensatz zur deutschen Impfkampagne ist die britische weit fortgeschritten. Ebenfalls anders als in Deutschland, gibt es in Großbritannien eine klare, fünfstufige Exitstrategie. Am kommenden Montag steht schon Stufe drei an, mit dem Öffnen von Geschäften, Museen und eben den Außenbereichen der Pubs.”

Impfung in Hausarztpraxen startet

Ab dem 6. April darf auch offiziell in den Hausarztpraxen geimpft werden. Das soll der Impfkampagne einen richtigen Wumms geben. In der ersten Woche erhält jede Praxis rein rechnerisch 26 Impf-Dosen. Klingt eher nach Wümmschen, als nach Wumms. Ab Ende April soll es dann aber richtig losgehen, wenn an die Hausärzte mehr als drei Millionen Dosen geliefert werden sollen.

Links:
Fragen und Antworten zum Impfen in Arztpraxen

Armin Laschets “Brücken-Lockdown”-PK aus Aachen

Laschet unter Druck, Frankreich im Lockdown – Das Corona Update vom 01. April 2021

Die Osterruhe der Kanzlerin war ein Flop, hoffentlich kommen wir trotzdem alle ein bisschen runter vom Corona-Stress und können ein bisschen abschalten. So wie Armin Laschet.

Laschet gibt kein gutes Bild ab

Der CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident will die Feiertage nutzen um mal so richtig nachzudenken. Endlich Zeit für mich, denkt Armin Laschet. Im ZDF heute-journal wollte er sich nicht aus seiner Osterruhe bringen lassen. „Das hat nicht funktioniert und deshalb müssen wir jetzt gemeinsam über die Ostertage nachdenken, was ist denn eine Ersatzmöglichkeit.“ Das klingt als wäre das eine gute Idee. Hätte man nur vielleicht schon früher mal versuche sollen, dieses Nachdenken. Es ist nicht sicher, ob wir es uns erlauben können über Ostern einfach mal Pandemie sein zu lassen und gründlich darüber nachzudenken. Armin Laschet: „Nein, wir haben die Zeit nicht, aber wir haben an dem Beispiel Gründonnerstag/Karsamstag gesehen, dass, wenn man zu schnell was entscheidet, die Praktiker sagen: Es geht nicht.“
Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich noch mal zu Wort gemeldet, bevor er sich zum österlichen Nachdenken in Klausur begibt. Spahn äußerte sich zum Start der Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen kommende Woche: „Das wird noch kein großer Schritt sein, aber ein wichtiger.“ Und er begrüßte die Meldung, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sich werbewirksam und vorbildhaft mit dem umstrittenen Impfstoff Astrazeneca hat impfen lassen.

Frankreich verhängt Lockdown

Wie die deutsche, so hat auch die französische Regierung erhebliche Schwierigkeiten eine effektive Krisenpolitik zu etablieren. Frankreich muss jetzt zum dritten Mal in den Lockdown, das hat Präsident Emanuel Macron verkündet. Ab Samstag, ganz Frankreich, für vier Wochen. Das bedeutet: Geschäfte bleiben geschlossen, abendliche Ausgangssperre ab 19 Uhr, nicht weiter von der eigenen Wohnung entfernen als in einem 10 Kilometer-Radius. Besonders bitter für Präsident Macron – er musste die Schließung der Schulen für drei Wochen anordnen. Frankreich war besonders stolz darauf, dass es gelungen war die Schulen während der Krise offen zu halten. Sie waren nur während des ersten strengen Lockdowns im vergangenen Frühjahr geschlossen.

Kein Astrazeneca für Menschen unter 60 – wie es weitergeht: Das Corona Update vom 31. März 2021

Wieder Verwirrung um den Impfstoff von Astrazeneca. Der soll nach einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern ab Mittwoch, 31. März, in der Regel nur noch für Personen ab 60 Jahren eingesetzt werden. Mehr dazu im neuen Corona-Update mit Timo Schnitzer.

Aller Skepsis zum Trotz, die Bundeskanzlerin hat quasi den Ärmel schon hochgekrempelt. “Wenn ich dran bin, lass ich mich impfen, auch mit Astrazeneca”, sagt Angela Merkel und macht damit den Menschen Mut, die sich mit dem Impfstoff überhaupt noch impfen lassen dürfen.

Ab Samstag Terminbuchung für Astrazeneca in NRW möglich für Ü60-Personen

Es geht um die Gefahr sogenannter Hirnvenen-Thrombosen. Bei 2,7 Millionen Impfungen mit Astrazeneca sind bisher in Deutschland 31 Fälle von solchen Blutgerinnseln bekannt, vor allem bei jüngeren Frauen. Nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Gesundeheitsminsiter Karl-Josef Laumann, gab es in NRW bei mehr als 600.000 Impfungen mit Astrazeneca acht Fälle von Hirnvenenthrombosen, fünf davon endeten tödlich. Alle waren unter 60 Jahre alt. Deshalb soll Astrazeneca vorerst nur noch bei Personen über 60 Jahren ohne Einschränkung verabreicht werden.

Laumann kündigte dabei eine überraschend flexible Regelung an. Am Samstag kommt nämlich eine weitere Lieferung von 380.000 Dosen Astrazeneca in NRW an. Diese sollen nun zügig an über 60-jährige, die wollen, verimpft werden. Seine Erklärung: “Es wird so laufen, dass wir, am Samstag vor Ostern, das Terminsystem der beiden Krankenversicherungen dafür freischalten und dann können die Menschen Termine dafür buchen in den 53 Impfzentren und wir werden auch mit der Verimpfung dieses Impfstoffes sicherlich an den Ostertagen beginnen.”

Öffnungszeiten von Impfzentren an Ostern umstritten

Die Öffnungszeiten der Impfzentren werden sich dementsprechend ändern müssen. Dem ohnehin schon arg ramponierten Ruf des Impfstoffs ist diese neue Wendung nicht dienlich. Laumann wirbt dennoch dafür: “Ich hoffe, dass wir vor allem das Vertrauen der älteren Menschen in diesen Impfstoff herstellen können. Er ist in den nächsten Wochen für die Impfkampagne in Deutschland doch ein gewisser Baustein, das muss man ganz klar sehen.”

Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca selbst wirbt unterdessen ebenfalls um Vertrauen für seinen Impfstoff. Dessen Nutzen übersteige deutlich die Risiken. Übrigens wurde der Impfstoff umbenannt. Offiziell heißt er ja “Covid-19 Vaccine Astrazeneca”, künftig soll er „Vaxzeveria“ heißen. Wahrscheinlich um dem Verdacht vorzubeugen, Astrazeneca versuche mit einem möglichst unaussprechlichen Impfstoff-Namen aus den Negativschlagzeilen zu kommen, versicherte der Konzern aber schon, dass die Namensänderung schon seit Monaten geplant gewesen sei.

Wieder Probleme mit Astrazeneca, erhöhte Inzidenz in Modellregion: Das Corona Update vom 30. März 2021

Viel los am Dienstag, 30. März, in Sachen Corona. Führende Unikliniken in NRW sprechen sich für einen Impfstopp mit Astrazeneca bei bestimmten Menschen aus. Ein Reiseverbot ist vom Tisch und es gibt auch eine erste Zwischenbilanz des Tübinger Modells – und die sieht nicht so schön aus. Alle Details hat Thorsten Ortmann im Corona-Update.

Rüffel von Söder für Laschet – Tübingen muss Rückschlag hinnehmen

Die Politik streitet sich weiter um den richtigen Weg aus der Pandemie – Von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gab es am Dienstag, 30. März, sogar einen Seitenhieb gegen CDU-Chef Armin Laschet. “Meiner Einschätzung nach hat die Bundeskanzlerin Recht. Mit ihrer Sorge, Prognose und Einschätzung”, sagt er und ergänzt: “Ich finde es sehr seltsam, wenn der CDU-Vorsitzende mit der CDU-Kanzlerin ein halbes Jahr vor den Wahlen streitet.

Übrigens auch in der viel gelobten Modellstadt Tübingen, in der die Außengastronomie geöffnet ist und Geschäften mit negativen Tests besucht werden dürfen, infizieren sich wieder mehr Menschen. Die Inzidenz stieg innerhalb einer Woche von 71 auf 104. Unteranderem weil sich viele nicht mehr an die Regeln halten, so die medizinische Leiterin des Projekts, Lisa Federle bei “n-tv”: “Das Problem im Moment, dass viele das Gefühl haben, in Tübingen ist alles super. Da gibt es kein Virus und wir lassen Masken weg. Das ist nicht Sinn der Sache. Getestet werden bedeutet nicht, dass man tun kann, was man will.”

Unikliniken fordern Impfstopp für jüngere Frauen bis 55 Jahre mit Astrazeneca

Unterdessen fordern fünf der sechs Unikliniken in Nordrhein-Westfalen einen vorläufigen Stopp der Astrazeneca-Impfung für jüngere Frauen. Das Risiko weiterer Todesfälle sei zu hoch, so die Leiter der Unikliniken. Die Gesundheitsminister wollen sich zu diesem Thema sehr kurzfristig beraten und eine Entscheidung treffen, wie damit umzugehen sei.

Gleichzeitig sind Reiseverbote wohl erstmal vom Tisch. Urlaubsreisen ins Ausland sollen weiter möglich sein, erklärte Bundesinnenminister Seehofer. Allerdings gilt ab sofort eine Testpflicht bei der Rückkehr. “Für alle Flugreisenden nach Deutschland gilt: Kein Flug ohne negatives Testergebnis. Die Fluggesellschaften sind angewiesen, Passagiere nur mit aktuellem negativen Test zu befördern.

Nach Ostern Bekanntgabe der NRW-Modellregionen

Alle Städte und Kreise, die demnächst dank erweiterter Teststrategie langsam öffnen wollen, müssen dabei strenge Kriterien erfüllen. Geöffnet werden können Kultur, Sport, Handel und Außengastronomie, so NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart. Die Modellregionen bekommen allerdings bei steigenden Infektionen eine Notbremse, so dass die Öffnungen wieder zurückgenommen werden sollten. Nach Ostern will das Land bekanntgeben, welche Städte und Kreise zu Modellregionen werden.

Zoff um die Notbremse, Reiserückkehrer brauchen negativen Test : Das Corona Update vom 29. März 2021

On NRW liegen 41 von 53 Kreisen und kreisfreien Städten über der Inzidenzmarke von 100. Das heißt eigentlich: es müsste dort die Notbremse gezogen werden. Doch das sieht NRW Ministerpräsident Laschet wie viele seiner Kolleg*innen anders. Mehr zum Zoff in Berlin gibt’s in dieser Ausgabe unseres Corona Updates von Thorsten Ortmann.

Wechsel vom Krisen- in den Kampfmodus: Merkel kritisiert Laschets Weg

Die Kanzlerin wechselt vom Krisen in den Kampfmodus: Bei Anne Will in der ARD drohte sie jetzt den Ministerpräsidenten, ganz im Stile einer “Mutti”, der gerade die Kinder den Gehorsam verweigern. “Ich werde jetzt nicht tatenlos 14 Tage zusehen und es passiert nichts, was nicht wirklich eine Trendumkehr verspricht.”

Merkel fordert die Ministerpräsidenten auf, sie sollen doch bitteschön die vereinbarte Notbremse auch eins-zu-eins umzusetzen und nicht nach Lust und Laune zu lockern. “Wenn sie das jetzt nicht wird, ist das sozusagen ein Verstoß, die wir beschlossen haben”, so Merkel.

Laschet verteidigt seinen Kurs mit der Mini-Notbremse für NRW

Gut: spätestens nach der letzten Bund-Länder-Konferenz wissen wir ja, dass das Umsetzen von Beschlüssen bei den Ministerpräsident*innen so eine Sache ist. Darum gabs heute auch kräftigen Gegenwind für die Maßregelung der Kanzlerin. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat die Strategie zu lockern bei Vorlage eines negativen Tests verteidigt. In Nordrhein-Westfalen wollen das mittlerweile 31 Städte und Kreise so umsetzen. Trotzdem würde die Notbremse in NRW eingehalten so Laschet, aber ergänzt –  mit Tests. “Der Weg, Geschäfte mit Terminvereinbarung zu öffnen und einen zertifizierten Test als Voraussetzung mitzubringen eine Möglichkeit, mehr Menschen, die zurzeit nicht entdeckt werden, zu entdecken und dort Infektionskette zu durchbrechen”, erläutert der CDU-Vorsitzende.

Das bedeutet: Der Parteichef interpretiert die Notbremse ganz anders als seine Kanzlerin – pikant. Laschet hat außerdem gesagt, dass die nächste Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin nicht mehr als Videokonferenz stattfindet, sondern im kleineren Kreis in Berlin.

Hoffnung auf vernünftigen Urlaub an Pfingsten und im Sommer – oder nicht?

Ab Dienstag, 30. März, brauchen alle Reiserückkehrer vor dem Rückflug einen negativen Corona-Test. Ein generelles Reiseverbot wird es nach Einschätzung des Tourismusbeauftragten der Bundesregiering, Bareiß wohl nicht geben. Bareiß machte bei “n-tv” aber Hoffnung auf Pfingsturlaub in Deutschland und Sonne Strand und Meer im Sommer. “Ende Juni werden wir fast 80 Millionen Impfdosen zur Verfügung haben. Deshalb ist das Reisen und der Urlaub im Sommer eine große Chance”. Allerdings müssten sich die Reisenden auch im Sommer weiter auf eine Testpflicht einstellen. Kanzleramtsminister Helge Braun ist dagegen weniger optimistisch. Er rechnet damit, dass wir erst ab August wieder verreisen können.

Die neue Welle könnte Schlimmer werden und NRW geht einen eigenen Weg bei der Notbremse: Das Corona Update vom 25. März 2021

Jens Spahn und Lothar Wieler – die Zweifaltigkeit der Pandemie-Bekämpfung hat ihre Botschaften zum Osterfest verkündet. Lockerungen sind in weite Ferne gerückt.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, dass wenn sich Menschen treffen, dann möglichst nur draußen. Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts ergänzte, mit der Virus-Variante B.1.1.7 sei noch weniger zu spaßen als mit dem Original-Virus. „Es gibt sehr deutliche Signale, dass diese Welle noch schlimmer werden kann als die ersten beiden Wellen.“

Empfehlungen an die Bundesländer

Den Bundesländern empfiehlt Spahn, wenn die Inzidenzzahlen auf über 100 steigen, einfach mal was zu unternehmen. „Ich appelliere daher an die Länder, die vereinbarte Notbremse beim Überschreiten der Inzidenz von 100 auch konsequent anzuwenden.“ Die Notbremse, das zu Erinnerung, soll gezogen werden, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region oder einem Land an drei aufeinander folgenden Tagen auf über 100 steigt. Und da kommt jetzt Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ins Spiel. Der sagt: „Wir müssen die Gefahren durch die Mutation eindämmen, darum ziehen wird in Nordrhein-Westfalen auch die Notbremse.“ Aber, obwohl die Inzidenz landesweit bei 121 liegt, wird die Notbremse ganz konsequent nicht nur in den betroffenen Regionen gezogen. Nur in Kommunen mit hoher Inzidenz müssen Läden, Sportstätten, Kultureinrichtungen und Zoos schließen. Aber auch da gibt es Ausnahmen. Der Besuch von Frisören und der Fußpflege bleiben erlaubt und ein Kreis darf auch Ausnahmen machen für Menschen, die einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorlegen können. „Da kann er sagen, mit einem Test der nicht älter als 24 Stunden ist kannst du in den Baumarkt gehen, kannst du in ein Textilgeschäft gehen.“, so Laumann

Impfquote weiter vergleichsweise niedrig

Noch kurz ein Blick auf Deutschlands Impfstatus: etwa 8,3 Millionen Menschen haben mindestens eine Impfspritze bekommen. Und nach Ostern solls erst richtig losgehen verspricht Jens Spahn: „Allein der Umstand, dass wir im April mehr Impfdosen erwarten dürfen, nämlich 15 Millionen, als im ganzen ersten Quartal verimpft worden sind, macht deutlich wie die Impfkampagne an Dynamik gewinnen kann und gewinnen wird.“ US-Präsident Joe Biden hat sein Ziel in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit 100 Millionen Menschen zu impfen korrigiert, weil es schon erreicht sei. Neue Zielmarke seien 200 Millionen Impfungen in Bidens ersten 100 Tagen.

Aufarbeitung, Testen und das Saarland: Das Corona Update vom 25. März 2021

Nach der Entschuldigung gestern gabs heute die Aufarbeitung im Bundestag. Die Pandemie hätte beim Krisenmanagement gravierende Schwachstellen offengelegt, so die Kanzlerin. “Wir müssen als föderales System hier besser und schneller werden.” Und das heißt für die kommenden Wochen laut Merkel vor allem mehr testen, testen , testen.

Die Testungen soll auch vermehrt in den Unternehmen passieren. Wenn nicht 90 Prozent der Firmen einmal pro Woche Tests anbieten, will Merkel das per Gesetz vorschreiben. Aber auch jeder Bürger sollte sich regelmäßig in den Testzentren testen lassen, fordert die Kanzlerin. “Wenn ich aus Schulen, aus Betrieben höre, dass nur 30-40 Prozent der Möglichkeiten genutzt werden, dann hilft uns das nicht. Testen ist die Brücke, bis hin wir die Impfwirkung sehen.”

Merkel will, dass sich Bürger testen – Opposition will, dass gelockert wird – mit Testungen

Kritik gabs heute vor allem an der Ministerpräsident*Innen-Konferenz und den Entscheidungen hinter verschlossenen Türen.  FDP-Chef Christian Lindner sagt dazu: “Dieses Verfahren, was derzeit gewählt wird, führt systematisch zu falschen Abwägungen. Er fordert einen Strategiewechsel in der Pandemie, die lautet: Weniger Lockdown dafür mehr Lockerungen mit Tests.

Lockdown bald Geschichte: Modellprojekt Saarland zeigt, wie es mit Lockerungen funktionieren könnte

Wie das funktionieren könnte, will das Saarland nach Ostern ausprobieren. Ab 6. April sollen Kinos, Fitnessstudios und die Außengastronomie wieder öffnen. Im Freien dürfen sich bis zu zehn Menschen treffen. Auch Kontaktsport ist wieder möglich. Das hat Ministerpräsident Tobias Hans von der CDU verkündet: “Aber all das nur unter der Bedingung, der nach wie vor geltenden Hygiene-, Abstands- und sonstigen Schutzregeln. Und all das nur unter Vorlage eines tagesaktuellen Tests.

Übrigens: Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet will das so in bis zu sechs Modellkommunen in NRW umsetzen.

Negativer Corona-Test für deutsche Urlauber wird zur Pflicht

Wer aus dem Ausland zurück nach Deutschland fliegt, braucht bald einen negativen Corona-Test – egal, ob er aus einem Risikogebiet kommt oder nicht. Das Bundesgesundheitsministerium plant einen Erlass, wonach alle Rückreisenden den Airlines vor der Rückreise einen negativen Test vorlegen müssen. Die Testpflicht könnte laut Entwurf schon ab morgen gelten. Ein generelles Verbot für Auslandsreisen könnte dagegen schwierig sein. Bayerns Ministerpräsident Söder glaubt, das es rechtlich nicht durchsetzbar ist. Die Bundesregierung prüft das aber weiter.