Kinder sollen von Lockerungen profitieren – Schummelei bei Schnelltests: Das Corona Update vom 28. Mai 2021

Kriegen Kinder und Jugendliche einen unbeschwerten Sommer mit Urlauben und Schwimmbadbesuchen? Wenn es nach der neuen Bundesfamilienministern Christine Lambrecht gehe, dann sollten Kinder und Jugendliche auch von allen Lockerungen profitieren. Allerdings unabhängig von einer Corona-Impfung. Wie wir auch mittlerweile wissen, ist ja ohnehin nicht mehr vorgesehen, dass die Länder vom Bund zusätzliche Impfdosen für Kinder und Jugendliche erhalten sollen. Also macht sich Skepsis breit.

So zum Beispiel beim Deutschen Lehrerverband. Der Vorsitzende Meidinger zweifelt beim „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, ob die neusten Beschlüsse positive Auswirkungen auf den Schulbetrieb im nächsten Schuljahr hätten. Hier bei uns in NRW soll es auch laut Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann keine Corona-Impfungen in Schulen geben. Man müsse die Empfehlung der Ständigen Impfkommission erst einmal abwarten und es soll kein Druck auf Eltern ausgeübt werden.

Ungewöhnliche Methode für Klassenunterricht

Da ab dem 31. Mai in NRW wieder Präsenzunterricht bei einer Inzidenz unter 100 gilt, könnte man ja nochmal überlegen, ob man die Klassenräume bis dahin optimieren mag. Wie wäre es denn mit Unterricht im Festzelt? Im niederbayrischen Deggendorf haben zwei Schulen ihre Schüler dahin geschickt, wo sonst die Maßkrüge fliegen. Kam bei Schule und Schülern gut an – schließlich hatten sie mehr Freiräume um Abstände halten zu können. Ob allerdings auf der Schulbank getanzt wurde, wissen wir nicht.

MediCan-Schnelltestzentrenten unter Betrugsverdacht

Erst gefälschte Impfpässe, jetzt Betrug in Schnelltestzentren. Offenbar wird deren Arbeit nur selten kontrolliert. Denn nach Medienberichten des Westdeutschen- und Norddeutschen Rundfunks und der „Süddeutschen Zeitung“ müssen die Betreiber nur mitteilen, wie viele Personen sie getestet haben – dann kann ohne jeden Beleg abgerechnet werden. 18 Euro können pro Test in Rechnung gestellt werden. Journalisten haben mehrere Testzentren in Nordrhein-Westfalen überprüft und Besucherdaten mit der Datenbank des Landes abgeglichen. Demnach wurden deutlich mehr Menschen gemeldet als getestet.

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Betrugsverdacht bei MediCan-Schnelltestzentren

Lockerungen in NRW ab 28. Mai

Unterricht in Bayern in einem Festzelt

Lockerungen für Geimpfte auf dem Weg: Das Corona Update vom 3. Mai 2021

Wer geimpft ist, darf sich auf Lockerungen freuen. Man darf sich wohl bald wieder ohne Beschränkungen treffen, auch nachts wieder raus, und man muss nach der Rückreise aus einem Risikogebiet nicht in Quarantäne – auch die Testpflicht fällt dann weg. Shoppen und der Friseurbesuch soll dann ebenfalls ohne Test möglich sein.

Urlaub an Pfingsten? Wohl eher nicht – Juni wohl eher

Bundesgesundheitsminister Spahn rechnet damit, dass die Lockerungen schon in dieser Woche im Bundestag und -Rat beschlossen werden könnten. Ausweisen kann man sich dann mit dem schriftlichen Impfpass aber bald auch mit einem digitalen. „Ziel ist, ein digitaler Impfnachweis spätestens zwischen Mitte Mai und Anfang Juni verfügbar zu haben“, so Spahn. Ab Juni könnte Urlaub in Deutschland auch wieder möglich sein. Pfingsten siehts dagegen eher mau aus, sagt der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß gegenüber der „BILD“.

Johnson & Johnson für Kölner Hochinzidenzviertel

Mobile Teams impfen ab heute verstärkt in Kölner Corona-Brennpunktvierteln und Hochhaussiedlungen. Im Rahmen eines Pilotprojekts werden über 1000 Dosen des Herstellers Johnson und Johnson verimpft. Grund sind Inzidenzzahen, die teilweise bei knapp 700 liegen. Für Virologe Hendrik Streeck ein nachvollziehbarer Schritt. Gegenüber „ntv“ sagt er, es sei vor allem mit der Wohnsituation zusammenhängend. „Was sich abzeichnet ist, dass Menschen, die in Armut leben, eher infizieren.“

Gibt es bald Sputnik V für Deutschland? – Das Corona Update vom 08. April 2021

Der russische Impfstoff Sputnik V ist mittlerweile in 56 Ländern zugelassen, in der EU aber noch nicht. Die Bayern haben trotzdem schon mal eine Bestellung aufgegeben. Ministerpräsident Markus Söder hat angekündigt, wenn alles passt werde eine Firma in Bayern den russischen Impfstoff produzieren. „Sollte Sputnik zugelassen werden in Europa, dann wird der Freistaat Bayern mit dieser Firma und über diese Firma, die in Bayern Illertissen tätig ist, zusätzliche Impfdosen, ich glaube es sind 2,5 Millionen Impfdosen, wohl im Juni dann erhalten“, erklärt Söder.

Auch Bundesgesundheitsminister Spahn für Einführung von Sputnik V

Auch Mecklenburg-Vorpommern hat sich noch vor der möglichen EU-Zulassung eine Option auf eine Million Dosen gesichert. Und auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat angebissen. Es würden Gespräche mit Russland über eventuelle Sputnik-Lieferungen geführt. Spahn fordert aber von Russland weitere Daten für eine EU-weite Zulassung. Ohne die könne der Impfstoff in Deutschland nicht verwendet werden. Außerdem pocht Spahn auf verbindliche Aussagen über Liefermengen und -zeiten. Nach einer Anfang Februar in der britischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Studie hat Sputnik V eine Wirksamkeit von 90 Prozent, ähnlich wie die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Stiko-Vorsitzender optimistisch

Der Vorsitzende der Stiko, der Ständigen Impfkommission Thomas Mertens, sagte im ZDF das was er an Daten bezüglich Sputnik kenne, sehe sehr gut aus, denn, „wenn der Impfstoff geprüft und zugelassen wird, hätte ich persönlich auch nichts gegen den Einsatz des Impfstoffes einzuwenden.“ Dem russischen Impfstoff hat bislang keiner so recht über den Weg getraut. Das liegt auch daran, dass er so verdammt schnell fertig war – schon im August des vergangenen Jahres.

Der Brücken-Lockdown, Johnson will Bier trinken – Das Corona Update vom 06. April 2021

Er hat versprochen nachzudenken und er hat geliefert – Armin Laschet ist über Ostern was eingefallen, was andere schon seit geraumer Zeit fordern. Damit seine Idee aber trotzdem irgendwie neu wirkt hat Laschet dafür einen frischen Begriff verwendet: „Brücken-Lockdown“. Mit diesem Brücken-Lockdown solle die Zeit überbrückt werden, bis so viele Menschen geimpft sind, dass wieder gelockert werden kann. Weil das Wort allein noch keine Strategie ist, wurde Laschets Idee nicht gerade kritiklos bejubelt, um es mal so zu formulieren. Im ZDF-Morgmenmagazin hat der CDU-Chef den Plan nochmal erläutert: „Wir haben so etwas ähnliches ja einmal erdacht, mit der Osterruhe.“ Nicht ausgeschlossen, dass den Brückenlockdown sogar das gleiche Schicksal ereilt wie die Osterruhe und Laschet die Kanzlerin zitieren muss.

Bei den Briten läufts einfach besser

Irgendwie besser als bei uns läuft es in Großbritannien. Im Kalender des britischen Premiers, Boris Johnson, steht für kommenden Montag 12. April der Termin: ein Bier trinken. An dem Tag werde er vorsichtig aber doch unverhinderbar ein Bierglas an seine Lippen heben. „Im Gegensatz zur deutschen Impfkampagne ist die britische weit fortgeschritten. Ebenfalls anders als in Deutschland, gibt es in Großbritannien eine klare, fünfstufige Exitstrategie. Am kommenden Montag steht schon Stufe drei an, mit dem Öffnen von Geschäften, Museen und eben den Außenbereichen der Pubs.“

Impfung in Hausarztpraxen startet

Ab dem 6. April darf auch offiziell in den Hausarztpraxen geimpft werden. Das soll der Impfkampagne einen richtigen Wumms geben. In der ersten Woche erhält jede Praxis rein rechnerisch 26 Impf-Dosen. Klingt eher nach Wümmschen, als nach Wumms. Ab Ende April soll es dann aber richtig losgehen, wenn an die Hausärzte mehr als drei Millionen Dosen geliefert werden sollen.

Links:
Fragen und Antworten zum Impfen in Arztpraxen

Armin Laschets „Brücken-Lockdown“-PK aus Aachen

Kein Astrazeneca für Menschen unter 60 – wie es weitergeht: Das Corona Update vom 31. März 2021

Wieder Verwirrung um den Impfstoff von Astrazeneca. Der soll nach einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern ab Mittwoch, 31. März, in der Regel nur noch für Personen ab 60 Jahren eingesetzt werden. Mehr dazu im neuen Corona-Update mit Timo Schnitzer.

Aller Skepsis zum Trotz, die Bundeskanzlerin hat quasi den Ärmel schon hochgekrempelt. „Wenn ich dran bin, lass ich mich impfen, auch mit Astrazeneca“, sagt Angela Merkel und macht damit den Menschen Mut, die sich mit dem Impfstoff überhaupt noch impfen lassen dürfen.

Ab Samstag Terminbuchung für Astrazeneca in NRW möglich für Ü60-Personen

Es geht um die Gefahr sogenannter Hirnvenen-Thrombosen. Bei 2,7 Millionen Impfungen mit Astrazeneca sind bisher in Deutschland 31 Fälle von solchen Blutgerinnseln bekannt, vor allem bei jüngeren Frauen. Nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Gesundeheitsminsiter Karl-Josef Laumann, gab es in NRW bei mehr als 600.000 Impfungen mit Astrazeneca acht Fälle von Hirnvenenthrombosen, fünf davon endeten tödlich. Alle waren unter 60 Jahre alt. Deshalb soll Astrazeneca vorerst nur noch bei Personen über 60 Jahren ohne Einschränkung verabreicht werden.

Laumann kündigte dabei eine überraschend flexible Regelung an. Am Samstag kommt nämlich eine weitere Lieferung von 380.000 Dosen Astrazeneca in NRW an. Diese sollen nun zügig an über 60-jährige, die wollen, verimpft werden. Seine Erklärung: „Es wird so laufen, dass wir, am Samstag vor Ostern, das Terminsystem der beiden Krankenversicherungen dafür freischalten und dann können die Menschen Termine dafür buchen in den 53 Impfzentren und wir werden auch mit der Verimpfung dieses Impfstoffes sicherlich an den Ostertagen beginnen.“

Öffnungszeiten von Impfzentren an Ostern umstritten

Die Öffnungszeiten der Impfzentren werden sich dementsprechend ändern müssen. Dem ohnehin schon arg ramponierten Ruf des Impfstoffs ist diese neue Wendung nicht dienlich. Laumann wirbt dennoch dafür: „Ich hoffe, dass wir vor allem das Vertrauen der älteren Menschen in diesen Impfstoff herstellen können. Er ist in den nächsten Wochen für die Impfkampagne in Deutschland doch ein gewisser Baustein, das muss man ganz klar sehen.“

Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca selbst wirbt unterdessen ebenfalls um Vertrauen für seinen Impfstoff. Dessen Nutzen übersteige deutlich die Risiken. Übrigens wurde der Impfstoff umbenannt. Offiziell heißt er ja „Covid-19 Vaccine Astrazeneca“, künftig soll er „Vaxzeveria“ heißen. Wahrscheinlich um dem Verdacht vorzubeugen, Astrazeneca versuche mit einem möglichst unaussprechlichen Impfstoff-Namen aus den Negativschlagzeilen zu kommen, versicherte der Konzern aber schon, dass die Namensänderung schon seit Monaten geplant gewesen sei.

Wieder Probleme mit Astrazeneca, erhöhte Inzidenz in Modellregion: Das Corona Update vom 30. März 2021

Viel los am Dienstag, 30. März, in Sachen Corona. Führende Unikliniken in NRW sprechen sich für einen Impfstopp mit Astrazeneca bei bestimmten Menschen aus. Ein Reiseverbot ist vom Tisch und es gibt auch eine erste Zwischenbilanz des Tübinger Modells – und die sieht nicht so schön aus. Alle Details hat Thorsten Ortmann im Corona-Update.

Rüffel von Söder für Laschet – Tübingen muss Rückschlag hinnehmen

Die Politik streitet sich weiter um den richtigen Weg aus der Pandemie – Von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gab es am Dienstag, 30. März, sogar einen Seitenhieb gegen CDU-Chef Armin Laschet. „Meiner Einschätzung nach hat die Bundeskanzlerin Recht. Mit ihrer Sorge, Prognose und Einschätzung“, sagt er und ergänzt: „Ich finde es sehr seltsam, wenn der CDU-Vorsitzende mit der CDU-Kanzlerin ein halbes Jahr vor den Wahlen streitet.

Übrigens auch in der viel gelobten Modellstadt Tübingen, in der die Außengastronomie geöffnet ist und Geschäften mit negativen Tests besucht werden dürfen, infizieren sich wieder mehr Menschen. Die Inzidenz stieg innerhalb einer Woche von 71 auf 104. Unteranderem weil sich viele nicht mehr an die Regeln halten, so die medizinische Leiterin des Projekts, Lisa Federle bei „n-tv“: „Das Problem im Moment, dass viele das Gefühl haben, in Tübingen ist alles super. Da gibt es kein Virus und wir lassen Masken weg. Das ist nicht Sinn der Sache. Getestet werden bedeutet nicht, dass man tun kann, was man will.“

Unikliniken fordern Impfstopp für jüngere Frauen bis 55 Jahre mit Astrazeneca

Unterdessen fordern fünf der sechs Unikliniken in Nordrhein-Westfalen einen vorläufigen Stopp der Astrazeneca-Impfung für jüngere Frauen. Das Risiko weiterer Todesfälle sei zu hoch, so die Leiter der Unikliniken. Die Gesundheitsminister wollen sich zu diesem Thema sehr kurzfristig beraten und eine Entscheidung treffen, wie damit umzugehen sei.

Gleichzeitig sind Reiseverbote wohl erstmal vom Tisch. Urlaubsreisen ins Ausland sollen weiter möglich sein, erklärte Bundesinnenminister Seehofer. Allerdings gilt ab sofort eine Testpflicht bei der Rückkehr. „Für alle Flugreisenden nach Deutschland gilt: Kein Flug ohne negatives Testergebnis. Die Fluggesellschaften sind angewiesen, Passagiere nur mit aktuellem negativen Test zu befördern.

Nach Ostern Bekanntgabe der NRW-Modellregionen

Alle Städte und Kreise, die demnächst dank erweiterter Teststrategie langsam öffnen wollen, müssen dabei strenge Kriterien erfüllen. Geöffnet werden können Kultur, Sport, Handel und Außengastronomie, so NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart. Die Modellregionen bekommen allerdings bei steigenden Infektionen eine Notbremse, so dass die Öffnungen wieder zurückgenommen werden sollten. Nach Ostern will das Land bekanntgeben, welche Städte und Kreise zu Modellregionen werden.

Corona Update – Der Podcast: 29. Dezember 2020