München bleibt EM-Austragungsort und das Abi startet: Das Corona Update vom 23. April 2021

In Nordrhein-Westfalen bekommen wir um Mitternacht die bundesweite Corona-Notbremse zu spüren. Fast überall treten Ausgangssperren in Kraft, denn Städte und Landkreise unter einer Wocheninzindenz von 100 findet man kaum noch. Die Städte und Gemeinden sind aufgefordert worden, das heute noch bekannt zu geben. Das Corona-Update mit Michael Boom:

Der Wandel der Corona-Politik in den vergangenen Monaten

Und dabei haben wir in der Pandemie-Bekämpfung mal so stark angefangen – vor etwas mehr als einem Jahr. Zustände wie in Bergamo haben wir damals mit entschlossenem Handeln verhindert und Leben gerettet. Vor genau einem Jahr hat das Fachmagazin „the Atlantic“ in den USA geschrieben, an der Spitze der Regierung in Berlin habe eine Chef-Wissenschaftlerin die Corona-Krise bisher mit „charakteristischer Rationalität, verbunden mit uncharakteristischer Sentimentalität“ relativ erfolgreich bewältigt. Heute muss man hervorheben, Ja, Kanzlerin Merkel war gemeint. Leider sind uns nach der ersten Welle die Ideen ausgegangen und wir waren immer einen Schritt zu spät. Wo war die bundesweite Corona-Notbremse als im Dezember und Januar täglich eintausend Menschen starben.

München bleibt Austragungsort der Fußball-EM

So, her mit den guten Meldungen der Pandemie. München bleibt Gastgeber von insgesamt vier Partien bei der Fußball-EM. Drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale sind dabei. Die UEFA hat die Entscheidung getroffen, nachdem klar war, dass bei allen Spielen mindestens 14 500 Zuschauer dabei sein dürfen. Für 79.000 Schüler in Nordrhein-Westfalen sind trotz Pandemie heute die Abi-Prüfungen gestartet. Heute gab es die Klausuren in Englisch. Mehr als 22 Prozent der Bundesbürger haben jetzt zumindest eine Corona-Impfung bekommen, sind also schon gut vor einer schweren Ansteckung geschützt. Und laut der Landesstatistiker in NRW sind im vergangenen Monat deutlich weniger Menschen gestorben als im März letzten Jahres. Es gab einen Rückgang um mehr als elf Prozent.

Bundesrat beschließt die Corona-Notbremse: Das Corona Update vom 22. April 2021

Fast 30.000 Corona-Neuinfektionen und eine Wocheninzidenz von rund 161. Die Zahlen sind weiter hoch, aber das exponentielle Wachstum, vor dem Spitzenpolitiker und Virologen gewarnt haben, scheint sich nicht einzustellen. Trotzdem hat auch der Bundesrat die Corona-Notbremse beschlossen. Das neue Corona-Update mit Michael Boom.

Bundesärztekammer: Durchseuchung Deutschlands sollte erforscht werden

Wie schön, dass jetzt endlich gemeinsame Maßnahmen kommen, von denen sich kein Ministerpräsident mehr frei machen kann. Die Frage ist nur: Braucht es das jetzt eigentlich noch, nach über einem Jahr Pandemie und der mittlerweile gut laufenden Impf-Kampagne? Die Bundesäztekammer empfiehlt der Bundesregierung, das mal erforschen zu lassen, wie es schon seit langem in Großbritannien gemacht wird. Wie steht es aktuell um die Durchseuchung, wie viele Menschen haben vielleicht schon eine Erkrankung hinter sich, ohne es bemerkt zu haben? Die Ärzte ärgern sich darüber, dass man immer noch nicht weiß, wie gefährlich es ist, die Schulen geöffnet zu halten. Entscheidungen treffen auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen wird gefordert.

Chaos beim Impfen mit Astrazeneca lässt nicht nach

Beim Impfen mit Astrazeneca ist das Chaos wirklich perfekt. Wie übel der Ruf dieses Mittels beschädigt wurde ist offensichtlich. Selbst Wetterexperte Jörg Kachelmann hat von übler Nachrede gesprochen und gleich eine Liste mit guten Anwälten weitergeleitet. In Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern wird jetzt die Altersbeschränkung aufgehoben, weil man darauf hofft, dass sich wenigstens junge Menschen mit Astrazeneca schützen lassen, bevor sie weiter warten müssen. Nur so viel: Wissenschaftler haben das Sterberisiko nach einer Impfung mit Astrazeneca berechnet und herausgefunden, dass es ungefähr genauso groß ist, wie bei vier Tagen Ski-Urlaub auf der Piste zu sterben.

Impfen: Günther Jauch erhält zig Hass-Mails

Wir sind in der Endphase der Pandemie und es lohnt sich einfach nicht mehr, noch schlechter drauf zu sein. Zwei Fakten dazu: Kaum einer heiratet mehr. Es gibt nach Zahlen unserer NRW-Landesstatistiker aktuell einen historischen Tiefststand. Aber klar, tanzen, küssen und umarmen gehen schlecht zusammen mit Hygiene-Auflagen, Konaktbeschränkungen und Ausgangssperren. Außerdem gibt es mittlerweile so viele Corona-Skeptiker in Deutschland, dass selbst Günther Jauch offener Hass entgegen schlägt. Jauch hat bei „SternTV“ erzählt, dass er massenhaft Hass-Briefe bekommt, weil er für die Impf-Kampagne der Bundesregierung wirbt.

Bundestag stimmt für die Corona-Notbremse: Das Corona Update vom 21. April 2021

Der Bundestag hat die bundesweite Corona-Notbremse wie erwartet beschlossen. Damit gibt es voraussichtlich am Freitag für Landkreise oder Städte mit einer Inzidenz von mehr als 100 zum Beispiel die umstrittenen Ausgangssperren.

Morgen muss noch der Bundesrat der Corona-Notbremse zustimmen

Jetzt soll es ganz schnell gehen, morgen schon sind die Änderungen am Infektionsschutzgesetz Thema im Bundesrat. Auch dort sind Stand jetzt keine Probleme zu erwarten, nachdem vorab lange vermittelt wurde. Am Freitag könnte die bundesweite Corona-Notbremse in Kraft treten. Und was heißt das nun für uns alle? Haben Städte oder Kreise drei Tage in Folge eine Inzidenz von mehr als 100, dann muss die Notbremse gezogen werden. Man darf sich nur noch mit einer Person treffen, Geschäfte dürfen Kunden nur mit Termin und negativem Corona-Test reinlassen und dann gibt es eben die Ausgangssperren von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr. Ausnahmen gibt es fürs Allein-Joggen-Gehen, die Runde mit dem Hund oder für die Fahrt zur Arbeit.

Kritik vom Lehrerverband: Zahl von 165 ist „irgendwie gegriffen“

Es gibt die große Angst, dass diese sehr spät kommenden bundesweiten Regeln und Verbote vom Bundesverfassungsgericht direkt wieder gekippt werden. Ausgangssperren sind ein heftiger Eingriff in die Grundrechte und es stellt sich die Frage, wie man so einen Schritt im Fall von geimpften Personen begründen will. Und dann gibt es da die Skeptiker die sagen, diese Ausgangssperren bringen die Leute doch nur dazu, sich früher zu treffen und dann vielleicht die ganze Nacht durch beieinander zu bleiben. Auch die alleinige Abstellung auf Inzidenzwerte, die natürlich steigen, wenn wir jetzt viel testen, sorgt für Ärger. Das trifft natürlich auch die Schulen, die ab einer Inzidenz von 165 in den Distanzunterricht wechseln müssen. Die Zahl 165 ist für den Präsidenten des Lehrverbandes, Heinz-Peter Meidinger, ist das im ZDF nicht nachvollziehbar:

„Es ist auf jeden Fall besser als die 200, die ja auch keine Empfehlung von medizinischen Experten war. Allerdings erscheint die Zahl 165 tatsächlich irgendwie gegriffen. Ich glaube man hat geschaut, wie hoch ist die durchschnittliche Zahl in Deutschland. Und dann kann man ungefähr die Hälfte der Schulen offen lassen. Anders kann ich mir die Zahl nicht erklären.“

Heinz-Peter Meidinger, Präsidenten des Lehrverbandes, im ZDF

CDU-Fraktionschef Brinkhaus: „Nie war so viel Demokratie in der Pandemiebekämpfung wir jetzt“

Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Ralph Brinkhaus, hat gesagt, man könne sich nicht von hohen Zahlen heruntertesten. Es brauche jetzt bundesweite Maßnahmen und die Kritik, dass jetzt die Demokratie abgeschafft werde, sei Blödsinn, so Brinkhaus im Bundestag:

„Nie war so viel Demokratie in der Pandemiebekämpfung wie jetzt. Es ist so, dass dieser deutsche Bundestag als höchstes Verfassungsorgan eindeutig entscheidet: Wenn a) passiert dann muss b) die Folge sein. Da gibt es keinen Spielraum für die Bundesregierung, das ist Demokratie“.

Ralph Brinkhaus (CDU) am 21. April 2021 im Bundestag

Die AFD dagegen sah es anders. Fraktionschef Gauland sprach von einer Blaupause für andere Lagen – zum Beispiel den Klimawandel. Auch dann könnten wieder Grundrechte eingeschränkt werden, weil man ja mit dem Klimawandel – genau wie mit einem Virus – auch nicht verhandeln könne.

Diskussion um richtigen Richtwert und Notbremsen-Nachbesserung: Das Corona Update vom 19. April 2021

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen will einfach nicht sinken. Die dritte Welle ebbt nicht ab, obwohl wir doch jetzt deutlich mehr Impfen.

Drohendes Aus für alle Modellregionen in NRW

Seit gut 14 Monaten leben wir jetzt mit Corona, und diese Beziehung nervt immer mehr. Wo man am Anfang noch versucht hat, auch die Vorteile dieser Auszeit vom Alltag zu sehen, muss man jetzt mal feststellen: „Boah, die Alte muss weg“. Nach über einem Jahr haben wir ja vermeintlich kluge Konzepte – fast schon STRATEGIEN. Wir öffnen die Schulen wieder, aber in wechselnden Gruppen und alle müssen sich testen. Ähnlich die Idee des NRW-Wirtschaftsministers Andreas Pinkwart, sich 14 Kommunen rauszupicken und sie zu Modellregionen zu erklären. Dort sollten Geschäfte und Museen wieder öffnen und es sollte auch wieder möglich sein, in einen Biergarten zu gehen. Verrückt. Die Parallele zu den Schulen: auch in den Modellregionen sollte mehr getestet werden. Und das ist die Krux: Klar, testest Du mehr, dann kriegst Du auch mehr positive Ergebnisse. Und diese steigenden Zahlen sorgen dafür, dass von den 14 Modellregionen aktuell nur noch zwei überhaupt infrage kommen für den Modellversuch. Aber Coesfeld und Münster stehen so knapp vor der Hunderter-Inzidenz, dass sie lieber verzichten.

Diskussion um den richtigen Richtwert ebbt nicht ab

So und damit zur Frage: „Warum bemerken wir in den Infektionszahlen denn nicht unseren Fortschritt beim Impfen?“. Mittlerweile hat jeder fünfte Bundesbürger zumindest die erste Impfung bekommen. Problem dabei: Infizieren können sich diese Personen theoretisch trotzdem noch, ihr Risiko schwer zu erkranken ist aber deutlich kleiner. Wir sollten also bei all unseren Richtungsentscheidungen in der Pandemie nicht nur auf die Inzidenz gucken, sondern lieber auf die Zahl der schwer Erkrankten, sagen die Experten. Dann können Schulen, Biergärten und ganze Kommunen vielleicht mit besserem Gefühl geöffnet werden.

Bundesweite Notbremse wird nachgebessert

So, und leider muss man ja sagen: „So richtig viel gelernt haben wir in den vergangenen 14 Monaten nicht“. Inzidenzen, Notbremse und Lockdown sind weiter unsere Mittel der Wahl. In dieser Woche soll die bundesweite Notbremse durch Bundestag und Bundesrat. Die Inzidenz allein soll die Notbremsung auslösen. Zufrieden ist damit so richtig niemand und man merkt, dass in Berlin im Hintergrund hart daran gearbeitet wird, für die nötigen Mehrheiten zu sorgen. Die Ausgangssperren sind jetzt um eine Stunde nach hinten auf 22.00 Uhr verlegt worden. Die FDP fordert außerdem Ausnahmen für Geimpfte und Menschen, die sich haben testen lassen.

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