Gedenkfeier für Corona-Opfer: Das Corona Update vom 30. Juni 2021

Im NRW-Landtag hat es heute eine offizielle zentrale Gedenkstunde für die Opfer der Corona-Pandemie gegeben. In der bewegenden Zeremonie hat unter anderem Ministerpräsident Armin Laschet an die Opfer aber auch an die vielen Helfer erinnert.

Bewegende Worte für die Opfer der Pandemie

„Keiner von uns – weder in Deutschland noch in einem anderen Land der Welt – war vorbereitet auf das, was seit März 2020 über uns gekommen ist“, sagt Landtagspräsident André Kuper, der in Worte fasste, was alle Teilnehmer an dieser Zeremonie bewegte: Es waren Angehörige und auch Ärzte, Pfleger und Seelsorger. Seit Ausbruch der Pandemie sind in NRW 17.000 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Im Landtag wurden für die Opfer Kerzen angezündet. Und der Landtagspräsident hat auch an alle die erinnert, die wegen der strengen Corona-Regeln Opfer bringen mussten: „Wie in kaum einem anderen Ereignis in der jüngeren Geschichte haben die staatlich eingeleiteten Maßnahmen, Menschenleben zu schützen, bei der Corona-Pandemie jede und jeden Einzelnen direkt betroffen. Ja – wie sollte es anders sein – es sind auch Fehler gemacht worden.“

Ministerpräsident Armin Laschet hat in einer sehr offenen Rede für eben diese Fehler um Verzeihung gebeten: „Manche sagen, dass auch die Einsamkeit, die soziale Isolation zum Tod eines geliebten Angehörigen geführt hat. Ich glaube das stimmt. Auch dem müssen wir, die wir Verantwortung tragen, uns stellen. Die Entscheidungen, die dazu geführt haben, dass Menschen einsam sterben mussten, waren ein gravierender Fehler. Mir bleibt nur, die Angehörigen von ganzem Herzen um Verzeihung zu bitten.“ Und Laschet dankte allen Helfern, die für die Covid-Patienten und deren Angehörige da waren: „Ihnen allen möchten wir heute unsere Anerkennung und unseren größten Respekt ausdrücken. Viele Leben konnten gerettet viel Leid gelindert und vermieden werden, weil Sie alle über Monate hinweg bis zur Belastungsgrenze – und oft weit darüber hinaus – beinah Übermenschliches geleistet haben.“

Leicht steigende Fallzahlen

Die Zahl der gemeldeten Corona-Infektionen weltweit ist in der vergangenen Woche wieder leicht gestiegen. Gleichzeitig wurden nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit so wenig Todesfälle gemeldet wie seit November nicht mehr. 

Leichter Rückgang in Deutschland

Die Corona-Lage bei uns in Deutschland entspannt dagegen weiter. Das RKI meldet für heute rund 800 neue Infektionen und eine bundesweite Wocheninzidenz von 5,2 – ein bisschen weniger als gestern. Da lag die Inzidenz bei 5,4.

Corona bleibt uns erhalten: Das Corona Update vom 25. Juni 2021

Mehr als die Hälfte der Deutschen plant in diesem Sommer einen Urlaub, anders als vor der Pandemie. 48% wollen auf Reisen in bestimmte Regionen verzichten – besonders wenn das mit einem Flug oder einer Bus-bzw. Bahnfahrt verbunden ist. 33% wollen sogar gar nicht fahren.

Dahinter könnte womöglich die Angst vor der Delta-Variant stecken. Dazu gab es heute frische Infos vom Robert Koch Institut.

Es ist Freitag und das heißt: Bühne frei für Lothar Wieler. Der Chef des Robert Koch Instituts, der seit über einem Jahr mit schiffsdieselhaftem Gleichmut durch die Krise führt, der Dauerwarner, die angezogene Handbremse im blauen Anzug, so nennt der Spiegel ihn. Und auch heute mahnt Wieler – diesmal vor der ansteckenden Delta-Variante. Die werde sich weiter ausbreiten und dagegen helfe neben maximaler Vorsicht auch im Sommer nur: impfen, impfen, impfen: „Wir wissen, dass Menschen, die vollständig geimpft sind, dass die gegen schwere Erkrankungen mit Delta geschützt sind. Das ist wirklich eine, wichtige und gute Nachricht. Ich beton aber: der vollständige Impfschutz ist wichtig“.

Momentan verdoppeln sich die Infektionszahlen mit Delta etwa jede Woche. Der Anteil liegt derzeit bei 15%. Betroffen sind vor allem unter 60jährige. Delta sorgt auch für mehr Krankenhausaufenthalte, so das RKI. Wie der Herbst wird, entscheidet auch das Verhalten jetzt im Sommer, so Gesundheitsminister Jens Spahn: „Wer will, dass die Schulen nach den Ferien sorgenfreier starten können, der sollte sich und seine Familie nach der Rückkehr aus dem Urlaub 1,2,3 Mal in einigen Tagen Abstand testen lassen, wie es ja kostenlos möglich ist. Und eben auch das Impfen hilft uns bei dieser Variante.“

Genug Impfstoff ist im Anmarsch, so Spahn, so dass alle Erwachsene bis Ende Juli mindestens einmal geimpft werden können und alle 12-18-jährigen bis Ende August. Wer sich nicht impfen lässt, der werde sich früher oder später infizieren, so Spahn

Positive Tests nach Stadionbesuch

Delta hat auch die Fußball Europameisterschaft zunehmend im Griff: nach den drei EM-Spielen in München sind 12 Fans positiv getestet worden. Schlimmer hats die Finnen erwischt. Nach den Spielen im russischen St. Peterburg gegen Russland und Belgien hatten sich mindestens 86 Fans angesteckt. Man rechnet mit weiteren Fällen. Auch die Briten ziehen wegen Delta die Handbremse an. Deutsche Fans dürfen beim Achtelfinale in Wembley nur dabei sein, wenn sie in Großbritannien wohnen. Auch für Fans, die ohne Karte nach London wollen, gelten strenge Quarantäne-Regeln.

Eine Länder wieder mit härteren Maßnahmen

Wie gefährlich Delta werden kann, zeigt sich auch in Sidney – da gehen Teile der Stadt wieder in den Lockdown und Israel hat nach deutlich steigenden Zahlen die Maskenpflicht in Innenräumen wieder eingeführt. Abgeschafft wird die Maskenpflicht dagegen in Spanien. Wenn der Mindestabstand eingehalten werden kann, darf man ab Samstag dann draußen „oben ohne“ rumlaufen – also – ohne Maske meine ich…

Weiter Sorge vor der Delta-Variante: Das Corona Update vom 24. Juni 2021

Jeder Dritte Deutsche ist mittlerweile geimpft. Und hoffentlich hilft das gegen die weitere Ausbreitung der Delta-Variante. Die Ärzteschaft will darum noch mehr aufs Impftempo drücken und auch die Kanzlerin ist trotz der niedrigen Infektionszahlen weiter beunruhigt.

Zum letzten Mal ist die Kanzlerin heute mit einer Rede vor den Bundestag getreten. Dabei hat sie vor dem EU-Gipfel heute Bilanz gezogen. Die Pandemie hätte gezeigt, dass Europa beim Krisenmanagement viel zu zögerlich reagiert habe, so Angela Merkel. Beim Thema Öffnungen will Merkel trotz sinkender Zahlen vorsichtig bleiben, die Pandemie sei weltweit noch nicht vorbei: „Wir in Deutschland und Europa bewegen uns immer noch auf dünnem Eis. Besonders neu aufkommende Virus-Varianten – jetzt vor allem die Delta-Variante – mahnen uns zur Vorsicht. Deswegen müssen wir den Weg aus der Pandemie weiter mit Augenmaß gehen.“

Und die Kanzlerin ist weiter dafür, dass die Patente für die Impfstoff-Herstellung nicht frei gegeben werden, damit auch ärmere Länder ihn selbst herstellen können. Stattdessen sollte es aber erlaubt sein, die Impfstoffe in Lizenz herzustellen.

RKI sorgt sich wegen Delta-Variante

Neue Zahlen des Robert Koch Instituts zeigen auch, dass die Delta-Variante im Herbst zu einem Problem werden kann. Ihr Anteil an den Infektionen hat sich nämlich innerhalb einer Woche auf 15% verdoppelt. Darum appelliert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor dem Start der Reisesaison an alle Urlauber, vorsichtig zu sein und sich testen zu lassen. Doch was ist, wenn ein gebuchter Urlaubsort urplötzlich zum Virusvariantengebiet wird? Dazu Expertin Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland: „Wenn jetzt wirklich während meines Urlaubs mein Reiseziel zum Virusvariantengebiet wird, dann bin ich berechtigt vom Reisevertrag zurückzutreten bzw. ihn zu kündigen. Alle nicht genutzten Leistungen kann ich dann auch zurückfordern und wenn es vertraglich vereinbart war, muss mich mein Reiseanbieter auch an den Heimatort zurücktransportieren.“

Daher wichtig: vor der Buchung das Kleingedruckte lesen oder gleich eine Reiseabbruchversicherung abschließen.

Ungewohntes, normales Leben

Wir finden uns so langsam wieder ins normale Leben zurück, und das ein oder andere kommt einem dabei echt sonderbar vor – gemeinsam Fußballgucken in einer Gruppe zum Beispiel, ohne die Hausstände zählen zu müssen zum Beispiel – und auch Promis fremdeln mit den wieder zurück gewonnenen Freiheiten – Lena zum Beispiel: „Ich geh so durch die Straßen und denk so: dass ist alles nicht richtig, das ist alles viel zu viel, ich kann damit überhaupt nicht umgehen, wie soll ich mich verhalten. Ich hab echt das Gefühl, dass ich über die eineinhalb Jahre so’n bisschen zur Sozialphobikerin geworden bin“.

Hoffentlich gilt das am Ende nicht für ihre eigene, kleine Familie.

Delta-Variante bringt Sorgen mit sich: Das Corona Update vom 18. Juni 2021

Es ist Biergartenwetter, die Fußball EM läuft, dazu ein kühles Blondes und ein saftiges Steak vom Grill – da ist Corona plötzlich ganz weit weg. Aber nicht für den Chef des Robert Koch Instituts und obersten Pandemie-Mahner, Lothar Wieler: „Das Virus ist nicht verschwunden und es wird auch nicht mehr verschwinden“, lautet seine Ansage. Grund für die Besorgnis ist die Delta-Variante. Noch liegt ihr Anteil in Deutschland bei rund 6 Prozent. Aber: Es sei keine Frage „ob“, sondern „wann“ sich die indische Variante auch bei uns durchsetzen werde, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. „Die Herausforderung ist, dass diese Variante besonders ansteckend ist und sie eben auch dazu führen kann, Erfolge in der Pandemie-Bekämpfung wieder in Frage zu stellen. Das erlebt gerade das Vereinigte Königreich“, erklärt Spahn.

Delta-Variante: EM-Finale in Wembley in Gefahr

Dort ist die Inzidenz wieder auf 70 hochgeschnellt. Sogar die EM-Finalwoche im Londoner Wembley-Stadion könnte darum auf der Kippe stehen. Laut der „Times“ wird angeblich über eine Verlegung der Spiele nach Budapest diskutiert. Grund dafür sollen die strengen Quarantäne-Regeln für 2500 Uefa- und Fifa-Beamte, Politiker, Sponsoren und Journalisten sein. In Lissabon wird wegen der sich ausbreitenden Delta-Variante sogar die ganze Stadt übers Wochenende abgeriegelt.

CureVac-Rückschlag: Spahn beruhigt

Damit auch bei uns nicht wieder Lockerungen zurückgenommen werden müssen, sind Spahn und das RKI weiter für die Maskenpflicht in Innenräumen. Auch die Zweitimpfung sei im Kampf gegen die Delta-Variante von entscheidender Bedeutung. Und noch eine positive Nachricht: trotz des CureVac-Rückschlags gibt es laut Spahn bis Ende Juli genügend andere Impfstoffe, so dass sich jeder Erwachsene impfen lassen kann.

Kuriose Impfkampagne in Indonesien

Das Impfen hat auch in Indonesien derzeit oberste Priorität. Allerdings läuft die Impfkampagne eher schleppend an. Darum will die indonesische Regierung jetzt mit einer Impf-Prämie nachhelfen. Ältere Menschen auf dem Land bekommen ein lebendiges Huhn, wenn sie sich impfen lassen. Übrigens: bevor jetzt der ein oder andere dabei an den nächsten Grillabend denkt: Das Verschenken von Hühnern gilt in Indonesien als Zeichen der Zuneigung und des Respekts.

Diskussion um Schulen, RKI-Chef Wieler gegen weitere Lockerungen: Das Corona Update vom 1. Juni 2021

Auch die EU-Kommission hat jetzt Grünes Licht für die Verwendung des Corona-Impfstoffs von Biontech / Pfizer bei Kindern ab zwölf Jahren Grünes Licht gegeben. Das heißt: Rein rechtlich steht einer Impfung bei Kindern nichts mehr im Wege. Aber: Die Ständige Impfkommission in Deutschland hat noch keine Empfehlung ausgesprochen. Dort wird darüber nachgedacht, eine Empfehlung nur für Kinder mit Vorerkrankungen gegeben werden sollte.

Sieben-Tage-Inzidenz bei 35,2: Lage stabilisiert sich weiter

So langsam stabilisiert sich die Lage: Das Robert Koch-Institut hat die Gefahrenlage für Deutschland offiziell von “sehr hoch” auf “hoch” heruntergestuft. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit bei 35,2. Das ist zwar ein ganz leichter Anstieg – weil sie gestern noch 35,1 lag. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte, er blicke trotzdem optimistisch auf die kommenden Tage. Das könne ein guter Sommer werden, sagte er.

Für neue Lockerungen reicht es im Moment aber noch nicht, so RKI-Chef Lothar Wieler. Um wirklich sicher zu sein, müssten rund 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger vollständig geimpft sein. Aktuell sind es aber erst 18 Prozent. 

Lehrerverbände diskutieren schon wieder über Schulschließungen

Die Schulen haben jetzt den zweiten Tag in Folge in Vollpräsenz geöffnet – schon wird darüber diskutiert, ob und wann sie wieder geschlossen werden sollten: Die Frage von Schulschließungen sollte nach Ansicht des Lehrerverbandes auch im nächsten Schuljahr weiter an die Inzidenz gekoppelt werden. Solange nicht alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit zur Impfung hätten, habe der Schulbetrieb Rücksicht zu nehmen – das sagt Verbandspräsident Meidinger. Überhaupt wird auch unter den Eltern darüber diskutiert, ob die jetzigen Schulöffnungen zur richtigen Zeit kommen. Das ist das Top-Thema in unserem Podcast „Corona. Und jetzt“ – den gibt es ab Donnerstag (2. Juni) überall dort, wo es Podcasts gibt.

Privatinsolvenzen deutlich häufiger als zuvor

Die Zahl der Privat-Insolvenzen ist durch die Corona-Pandemie deutlich angestiegen. In den ersten drei Monaten des aktuellen Jahres gab es rund 31.800 Privatinsolvenzen in Deutschland. Das sind nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel knapp 57 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 

Eine gute Nachricht noch zum Schluss: Damit Firmen in der Corona-Pandemie weiter ausbilden, gibt es ab heute eine höhere Prämie. Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern erhalten pro Azubi bis zu 6000 Euro. Das ist doppelt so viel wie bisher. 

Dritte Welle scheint gebrochen, Impffortschritt beeindruckend: Das Corona Update vom 7. Mai 2021

Wenn der oberste Virus-Wächter der Republik bei der Pressekonferenz so ein gutgelauntes „Guten Morgen“ flötet, dann gibt’s gute Nachrichten zu verkünden – pünktlich zum Wochenende. Denn die Infektions-Zahlen gehen weiter zurück, die 3. Welle scheint gebrochen, so RKI-Chef, Lothar Wieler: „Die gegenwärtige Entwicklung, mit einer sinkenden Inzidenz, einer zumindest leicht sinkenden Belegung mit Covid-19-Patienten und einer steigenden Durchimpfung, ist sehr positiv.“ Bald könne die Pandemie wohl kontrollierbar sein. Mit zunehmender Durchimpfung im Juni könnten weitere Lockerungen folgen, so Wieler. Deshalb warnt Gesundheitsminister Jens Spahn davor, kurz vor Schluss die Geduld zu verlieren: „Zu viele öffnen gerade ziemlich viel, bei relativ hoher Ausgangsindizenz. Das bringt ein Risiko mit sich.“ In der kommenden Woche vom 10. bis 15. Mai gibt es auch mehr Impfstoff für die Arztpraxen. Eine Million Astrazeneca-Dosen werden geliefert. Damit darf sich dann jeder Erwachsene in Absprache mit dem Hausarzt impfen lassen.

Geimpfte und Genesene dürfen jubeln – Lockerungen kommen

Bei einigen vollständig Geimpften und Genesenen dürften am Wochenende die Sektkorken knallen.  Der Bundesrat hat ihnen heute die Grundrechte wiedergegeben. Am Wochenende werden für diese Gruppe damit zum Beispiel Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen aufgehoben. Man kann dann also wieder längst vergessenen Tätigkeiten nachgehen. Auch die Testpflicht beim Einkaufen und für den Frisör fällt weg. Dennoch bittet NRW-Ministerpräsident Armin Laschet alle Geimpften, die Sektkorken möglichst leise knallen zu lassen. „Die, die geimpft wurden, sollten jetzt nicht in triumphalistischen Überschwang reagieren, sondern auch eine Geste des Respekts zeigen, über denen, die noch nicht geimpft werden konnten.“

Sommerurlaub 2021 darf gebucht werden

Der Sommer-Urlaub scheint in trockenen Tüchern. Das sagt zumindest der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß im „ZDF“. „Fast jeder Deutsche kann im Juni einmal geimpft werden. Ich hoffe, dass im Juni viel passiert und der Sommerurlaub damit gesichert ist.“

Spahn über die aktuelle Lage in Deutschland, USA impft Rekord: Das Corona Update vom 29. April 2021

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn besucht morgen ein Impfzentrum, deshalb wurde die wöchentliche Pressekonferenz von Freitag auf heute vorverlegt. Zunächst blicken wir aber in die USA.

USA impft einen Rekord – Deutschland impft nicht ganz so schnell

In den USA hat sich Präsident Joe Biden anlässlich seiner ersten 100 Tage im Amt selbst beschenkt mit einem Impfrekord. Nicht 100 Millionen, wie ursprünglich versprochen, nicht 200 Millionen, nein, 220 Millionen Corona-Impfungen sind in diesen 100 Tagen in den USA verabreicht worden, sagte Biden.

„220 million Covid-shots“

Joe Biden, US-Präsident

Währenddessen in Deutschland: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Chef des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler präsentieren nicht ganz so spektakuläre Zahlen aus Deutschland, aber immerhin:  “Mittlerweile sind es über 20 Millionen Menschen, die eine erste Impfung haben in Deutschland erhalten können gegen Covid-19 und die Zahl steigt weiter ständig.“

Biontech bald auch für Kinder ab zwölf Jahren?

Vom Impfmittel-Hersteller Biontech heißt es ein Corona-Impfstoffes für Kinder ab zwölf sei auf dem Weg, die Zulassung in der EU werde in Kürze beantragt. Eine gute Nachricht, auch für Jens Spahn: „Stand heute, wenn nichts Ungewöhnliches passiert: Spätestens in den Sommerferien werden wir die über 12-Jährigen dann impfen können, wenn die Zulassung da ist.“

Thema Freiheitsrechte für Voll-Geimpfte, dieser Punkt, so Spahn werde bis Ende Mai in einem Gesetzentwurf geregelt sein.

Intensivpfleger berichtet über Belastung

Zum Schluss soll Ricardo Lange zu Wort kommen. Er ist Intensivpfleger und war zur Pressekonferenz eingeladen, um seine Erfahrungen auf der Intensivstation zu schildern und das hat er eindrücklich getan. Wie sich das Sterben auf der Intensivstation unter Corona-Bedingungen verändert hat, wie anstrengend und wie psychisch belastend es ist die Toten in schwarze Leichensäcke zu packen:

„Wir legen sie dort hinein und ziehen den Reißverschluss zu. Und glauben sie mir, wenn ich ihnen sage, das macht was mit einem.“

Ricardo Lange, Intensivpfleger

Und Ricardo Lange hat ein Anliegen: „Als Intensivkrankenpfleger (…) ich sehe natürlich nur die schweren Verläufe…das bedeutet natürlich nicht, dass jeder in der Bevölkerung da draußen, einen schweren Covid-Verlauf erleiden wird, oder an dieser Erkrankung versterben wird. Aber, (…) jeder der nicht auf einer Intensivstation arbeitet, jeder der nicht im privaten Umfeld davon betroffen ist, sieht die leichten Verläufe, oder sieht vielleicht nur Menschen die gar nicht an Covid erkranken. Und das wiederum heißt nicht, dass es diese schweren Verläufe nicht gibt!“

Impfpriorisierung wird spätestens Juni aufgehoben: Das Corona Update vom 26. April SONDERAUSGABE

Eine gute, vielleicht sogar die beste Nachricht dieses Impfgipfels: es ging flott, und ohne große Zerwürfnisse. Die Bundeskanzlerin ist zufrieden. „Es war eine gute, konstruktive Diskussion für die ich mich sehr bedanke“, sagte sie im Anschluss an den Gipfel auf der Pressekonferenz. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ging noch weiter. „Heute ging es eigentlich um Freiheit und Freiheiten. Insofern war das heute eine Hoffnungs-MPK“, so Söder.

Es geht vorwärts beim Impfen – Priorisierung wird spätestens Juni aufgehoben

MPK der Hoffnung also, keine MPK der Beschlüsse wohlgemerkt. Worauf können wir also hoffen? Nun, dass es vorwärts geht beim Impfen. Und zwar in so großen Schritten, dass immerhin schon ein Ende der Priorisierung in Sicht ist. Spätestens im Juni, sagt Angela Merkel. Sie gab aber zu bedenken: „Das heißt nicht, dass dann jeder sofort geimpft werden kann. Aber dann kann sich jeder um einen Impftermin bemühe.“

Keine Einigungen über Lockerungen für Geimpfte und Genesene

Das war dann auch schon so ziemlich das konkreteste Ergebnis dieser Sitzung. Die umstrittenste Frage nämlich, die wie es mit den Grundrechten für Geimpfte und auch Genesene vom Coronavirus aussieht, wurde vertagt. Das Robert Koch Institut hatte festgestellt, von Menschen, die bereits beide Impfungen erhalten haben, geht 14 Tage nach der zweiten Impfung keine relevante Infektionsgefahr mehr aus. Dieser wissenschaftlichen Erkenntnis müsse Rechnung getragen werden, sagte Markus Söder: „Am Ende ist es für mich ganz klar, da muss es dann eben mehr Möglichkeiten für diejenigen die geimpft sind. Es ist doch völlig absurd, dass jemand der geimpft ist den gleichen Test vorlegen muss, wie jemand der nicht geimpft ist.“

Ein geordnetes Verfahren ist notwendig, um zu verhindern, dass sich im Laufe der Impfkampagne Gräben zwischen Geimpften und Noch-Nicht-Geimpften auftun. Wahrscheinlich im Mai soll eine entsprechende Verordnung von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden, die das klären soll. Auf verbindliche Aussagen was mit dem Pfingst- oder Sommerurlaub ist, ließ sich die Kanzlerin nicht festnageln. „Wann wir jetzt wieder darüber nachdenken können, Hotels öffenn zu können, das wissen wir jetzt noch nicht“, erläuterte Merkel.

Zusage von Merkel zum Impfangebot für Alle

Immerhin bleibt Angela Merkel bei ihrer Zusage, bis Ende des Sommers werde jeder Deutsche ein Impfangebot erhalten. Die Kanzlerin erklärte: „Von der Zahl der uns zugesagten Impfstoffe, können wir bis Ende des Sommers jedem ein Impfangebot machen.“

Impfen kommt ins Rollen und Probleme mit Vektorimpfstoffen: Das Corona Update vom 14. April 2021

Die Hersteller Biontech und Pfizer wollen bis Ende Juni zusätzlich 50 Millionen Dosen Corona-Impfstoff an Deutschland und die übrigen EU-Staaten liefern. Dies teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit. Währenddessen will Dänemark offensichtlich vollständig auf den Impfstoff von Astrazeneca verzichten. Grund sind die Sicherheitsbedenken wegen der möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs.

Impfen läuft immer besser

Die Impfkampagne in Deutschland nimmt allmählich an Fahrt auf. Laut dem Impfmonitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben am Dienstag mehr als 530.000 Menschen in Deutschland eine Impfdosis erhalten. Mittlerweile sind insgesamt 14 Millionen Menschen mindestens ein Mal, und gut 5,2 Millionen Menschen zwei Mal geimpft worden.

Probleme mit Vektorimpfstoffen

Die seltenen schweren Nebenwirkungen nach der Impfung mit den Präparaten von Astrazeneca und Johnson & Johnson hängen deutschen Experten zufolge möglicherweise mit dem speziellen Typ dieser Impfstoffe zusammen. Beide sind sogenannte Vektorimpfstoffe. Dabei wird ein an sich harmloses Adenovirus als sogenannter Vektor genutzt, um Erbinformationen des Coronavirus in den Körper zu schleusen.

Beide Impfstoffe stehen im Verdacht in seltenen Fällen Sinusvenenthrombosen, also Blutgerinnsel im Gehirn auszulösen. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt den Impfstoff von Astrazeneca dennoch weiter, der von Johnson & Johnson wird geprüft. Die Auslieferung der bestellten Dosen in Europa ist erst einmal gestoppt.

 Klarheit gibt es jetzt dagegen für die mehr als zwei Millionen Menschen unter 60 Jahren, die in Deutschland bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben: Sie sollen bei der notwendigen Zweitimpfung auf einen mRNA-Impfstoff, von Biontech/Pfizer oder Moderna umsteigen können.

Die EU-Kommission will bei den nächsten Bestellungen für Corona-Impfstoffe vor allem auf die mRNA-Technologie setzen. Ein weiterer Impfstoff dieser Art könnte im Sommer zugelassen werden, der von Curevac.

Aus Brüssel heißt es aber, dies bedeute nicht, dass Hersteller wie Astrazeneca und Johnson & Johnson bei künftigen Verträgen bereits aus dem Rennen seien oder deren Verträge nicht verlängert würden.

Schottischer Impferfolg

Die schottische Insel Fair Isle ist vermutlich der abgelegenste Flecken Erde des Vereinigten Königreichs, bekannt für Strickpullis, Seevögel und jetzt auch dafür, einer der Corona-sichersten Plätze des Landes zu sein, freut sich John Best einer der Bewohner von Fair Isle in der BBC: „It’s probably one oft the safest places in the country, really.“

Was die Insel so sicher macht ist die Tatsache, dass alle Insulaner ihre zweite Dosis Astrazeneca verabreicht bekommen, das heißt die gesamte Bevölkerung von Fair Isle ist vollständig geimpft, alle 48 Frauen und Männer. Jetzt können sie ihren Schafen was von Herdenimmunität erzählen.

Corona Update – Der Podcast: 30. Dezember 2020